Heilpädagogische Forschung
 
'Soziale Informationsverarbeitung' und 'Verhaltensauffälligkeiten' bei geistig behinderten Kindern   aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 1999
von Sven Bielski

Einführend werden die Prävalenz von 'Verhaltensauffälligkeiten' und 'psychischen Störungen' bei geistig Behinderten sowie verschiedene Definitions- und Klassifikationsansätze für geistige Behinderung dargestellt und der Terminus 'soziale Kompetenz' diskutiert. Anschließend wird das 'Modell des sozialen Austauschs bei Kindern' von Dodge auf den Kontext geistig behinderter Kinder übertragen. Nach diesem neuen, hermeneutisch entwickelten Modell beeinträchtigen Probleme in der 'sozialen Informationsverarbeitung' den Aufbau eines adäquaten Verhaltensrepertoires bei geistig behinderten Kindern. Deren Verhaltensauffälligkeiten können danach einerseits mit Defiziten im Verhaltensrepertoire begründet werden, andererseits kann auffälliges Sozialverhalten von geistig behinderten Menschen direkt auf die Probleme in der sozialen Informationsverarbeitung zurückgeführt werden. Aufgrund einer Fehlinterpretation der sozialen Situation wird eine nicht angemessene Verhaltensreaktion gezeigt. Dem Erklärungsmuster werden die zur Zeit stark diskutierten AAC-Ansätze gegenübergestellt. Weiterhin wird dargestellt, daß im Rahmen der Debatte der Problematik der Koedukation von geistig behinderten und nicht behinderten Kindern zur Zeit u.a. die Entwicklung einer allgemeinen Pädagogik diskutiert wird. Dieses würde die Aufgabe spezieller Förderung für geistig behinderte Menschen bedeuten. Durch die übertragung des in diesem Artikel vorgestellten Modells auf die besondere Situation der Koedukation wird die Problematik des Abrückens von spezieller Förderung von geistig behinderten Kindern verdeutlicht.

Schlüsselwörter: Geistige Behinderung, Verhaltensauffälligkeiten, soziale Informationsverarbeitung, soziale Kompetenz, Kinder, Koedukation, Definition, Klassifikation.

Social information processing and behavior disorders in mentally retarded children.

The article begins by presenting various definitions and classification systems for mentally retarded children, as well as the prevalence of behavioral and psychiatric disorders in this group. After a discussion of the term 'social competence', Dodge's 'model of social exchange in children' is transferred to the context of mentally retarded children. According to this new, hermeneutically-developed model, difficulties in processing social information prevent mentally retarded people from developing an adequate repertoire of behavior. Problems in social behavior can thus be explained, on the one hand, by deficits in the behavioral repertoire. On the other hand, such behavior disorders are directly linked to problems in processing social information. A misinterpretation of a social situation results in an inappropriate reaction. This model is compared to the much-discussed AAC concepts. Finally, it is shown that the debate about coeducation of mentally retarded and non-mentally-retarded children includes a discussion of the development of a universal pedagogy, a concept which would mean the end of special support services for the mentally retarded. When applied specifically to the issue of coeducation, the model presented in this article clearly shows the problem with discontinuing special services for mentally retarded children.

Key-words: mental retardation, behavior disorders, social information processing, social competence, children, coeducation, definition, classification.

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zum Editorial 2 1999

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aktualisiert am 30.01.2003