Heilpädagogische Forschung
Resilienz bei sexuell mißbrauchten Mädchen - Die Rolle der Abwehrmechanismen bei der Mißbrauchsverarbeitung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 1998
Von Sacha Bunge

In diesem Beitrag wird der Rolle der Abwehrmechanismen bei der Verarbeitung sexueller Mißbrauchstraumata nachgegangen. Dazu wurden Stichproben sexuell mißbrauchter und nicht mißbrauchter Mädchen untersucht, die schulisch gut bzw. weniger gut angepaßt waren, und zwar 10 sexuell mißbrauchte Mädchen, 15 Mädchen aus Scheidungsfamilien und 11 aus intakten Familien zwischen 8 und 13 Jahren. Es zeigte sich, daß die Gruppe der sexuell mißbrauchten Mädchen größere schulische Schwierigkeiten aufwies. Die von ihnen eingesetzten Abwehrmechanismen der Abspaltung, der Abwertung und der Entwicklung von Größenfantasien waren mit geringeren schulischen und häuslichen Kompetenzen und mehr Verhaltensproblemen assoziiert. Die Gruppen der gut angepaßten sexuell mißbrauchten Mädchen und der angepaßten Mädchen aus intakten Familien nutzten ein Abwehrschema, das durch hohe Anteile an Regression / Dissoziation, niedrige Anteile an Abspaltung / Abwertung / Größenfantasien und hohe Anteile an Humor / Pseudoreife gekennzeichnet war. Die Ergebnisse lassen ein spezifisches Abwehrmuster in Richtung auf eine optimale Anpassung bei mißbrauchten und nicht mißbrauchten Mädchen vermuten. Weitere Untersuchungen zur Rolle der Abwehrmechanismen könnten zu einem besseren Verständnis der Entwicklung von Resilienz bei sexuell mißbrauchten Kindern beitragen.

Resilience in sexually abused girls: The role of defenses in behavioral adjustment.

The present study explores the role of defenses in the behavioral adjustment in sexually abused girls by comparing sexually abused and non abused girls as well as by examining similarities and differences in abused girls doing well and not doing well in school. Ten sexually abused girls, fifteen girls from divorced parents, and eleven girls from intact families, between 8 and 13 years old, were compared on measures of defense and coping at home and at school. Sexually abused girls had more difficulty adjusting to the social and academic demands of the classroom. For sexually abused girls, the use of splitting, devaluation, and omnipotence was linked to lower levels of competence and more behavior pro-blems at home and at school. Sexually abused girls as well as girls from intact families who were coping rela-tively well tended to use a pattern of defense charac-terized by high levels of regression and dissociation, low levels of splitting, devaluation and omnipotence, and high levels of humor and pseudomaturity. The results suggest that there may be a particular defense pattern associated with good coping for both abused and non abused girls. The findings indicate that the study of defenses may add to our understanding of resilience in sexually abused children.

zur übersicht des Jahrgangs 98
zum nächsten abstract: Nachschulische Lebensläufe von Schülern mit Verhaltensstörungen in Finnland
pic/blindgelb.gif (103 Byte)
zurück zum Kopf der Seite
aktualisiert am 30.01.2003