Heilpädagogische Forschung
Nacherzählen einer Geschichte:
Zu Sprach- und Gedächttnisunterschieden zwischen entwicklungsdysphasischen und sprachlich unauffälligen Kindern

aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 1998
Von Marcus Hasselhorn und Barbara Hille

Zwanzig dysphasisch-sprachentwicklungsgestörte Achtjährige erhielten die Aufgabe, eine Geschichte nachzuerzählen, bei der die Hälfte der Textinformationen bei der Darbietung durch Bilder visuell unterstützt wurde. Als Kontrollgruppen wurden 20 gleichaltrige Kinder mit einer vergleichbaren nonverbalen Intelligenz (KG „Intelligenz") und 20 Fünfjährige mit vergleichbarem morpho-syntaktischen Sprachentwicklungsstand (KG „Sprache") herangezogen. Alle drei Gruppen profitierten im gleichen Ausmaß von der visuellen Unterstützung der Textinformation. Die Dysphasiker unterschieden sich nicht von der KG „Intelligenz" hinsichtlich des Behaltens der Sinneinheiten des Textes. Allerdings produzierten sie beim Nacherzählen weniger Wörter und kürzere äußerungen. Außerdem zeigten sie bei drei verschiedenen Maßen des phonologischen Arbeitsgedächtnisses deutlich schlechtere Leistungen. Keine Unterschiede ergaben sich dagegen zu den Kindern der KG „Sprache", die beim Imitieren von Satzstrukturen (HSET-Subtest IS) das gleiche Leistungsniveau wie die Dysphasiker gezeigt hatten. Zwischen der mittleren äußerungslänge (MLU) bei der Geschichtennacherzählung und der IS-Leistung bestand zwar ein substantieller Zusammenhang, im Gegensatz zum MLU zeigten sich jedoch nur für die IS-Leistung deutliche Zusammenhänge zum phonologischen Arbeitsgedächtnis. Implikationen der Befunde für die Frage, welche Rolle das phonologische Arbeitsgedächtnis bei der Genese der Dysphasie spielt, werden abschließend diskutiert. Story reproduction: Differences in speech and memory between specific language impaired and unimpaired children.Twenty specific language impaired dysphasic (SLI) eight-year olds were asked to repeat a short story. Half of the content information was supported by related pictures during presentation. Nonhandicapped children of the same chronological as well as nonverbal mental age (NMA) and of a comparable level of morpho-syntac-tical language behavior (MSL) were also tested. All three groups gained a comparable amount from the picture supports. Moreover, SLI children did not differ from NMA children with regard to the reproduction of the story contents. However, the mean length of SLI's utterances (MLU) as well as the total number of words produced during story reproduction were found to be inferior to those of NMA children. In addition, NMA children outperformed SLI subjects in three different measures of phonological working memory. SLI children did not differ in any measure from MSL children who were matched on imitation performance of sentence structures (the IS subtest of the Heidelberg test of language development HSET). Although MLU and IS were substantively correlated, only IS performance was reliably related to the measures of phonological working memory. A discussion of some implications of these results to issues surrounding the role of phonological working memory in the origin of specific language impairment is provided.
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aktualisiert am 30.01.2003