Heilpädagogische Forschung
Ergebnisse zur Struktur des Wissenschaftsimages unter Studienanfängern der Förderpädagogik
aus Heilpädagogische Forschung Nr. 4 1997
Von Michael Fingerle

In diesem Beitrag werden Merkmale des allgemeinen Wissenschaftsbildes von Studierenden der Förderpädagogik untersucht. 40 Studierende der Förderpädagogik der Universität Leipzig beschrieben ihr Wissenschaftsbild anhand einer Eigenschaftsliste und einer Reihe von vorgegebenen Aussagen. Eine clusteranalytische Auswertung der Daten ergab sechs dem Antwortverhalten zugrundeliegende Itemcluster, die jeweils eine analytisch-konventionelle, pragmatisch-akzeptierende, humanistisch-kreative, kritisch-abschätzige, vorsichtig-distanzierte oder eine weltfremd-elitäre Sicht, bzw. Typisierung von Wissenschaft repräsentieren, denen die Befragungsteilnehmer in unterschiedlichem Maße zustimmten. Eine abschließende Clusteranalyse identifizierte drei Personengruppen mit unterschiedlichem Einstellungsprofil, wobei die Mehrheit der Stichprobe einer Gruppe angehörte, die ein einerseits pragmatisch-akzeptierendes und sogar humanistisch-kreatives Wissenschaftsbild besaß, das aber andererseits auch von vorsichtiger Distanz geprägt war und mit einer starken Praxisorientierung einherging. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Debatte um die Wissenschaftlichkeit der universitären Sonderpädagogik diskutiert.

This paper presents results of a study examining the view of science held by students of special education at the University of Leipzig (Germany). 40 students rated a list of adjectives and statements about science. Cluster analyses were performed, and six different viewpoints underlying students' answer patterns were identified. Clusters can be categorized as analytic-conventional, pragmatic-accepting, humanistic-creative, critical-disparaging, careful-distancing, and unwordly-elitist. Subsequent cluster analyses identified three groups with a different view of science. The majority of students belongs to a group which on the one hand views science as humanistic-creative and pragmatic-accepting, on the other hand, however, science is characterized by careful-distancing and a strong orientation toward practice.

The results are discussed with regard to the ongoing debate about the scientific status of special education at German universities.

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aktualisiert am 30.01.2003