Heilpädagogische Forschung

Schulabsentismus als Forschungsgegenstand 
aus Heilpädagogische Forschung Nr. 2 1997
Von Heinrich Ricking und Heinz Neukäter

Der vorliegende übersichtsartikel untersucht das Bedingungsgeflecht an Variablen, die Schulabsentismus auslösen bzw. aufrechterhalten. Nach einer begrifflichen Klärung werden methodische Probleme der Erfassung von Schulabsentismus erörtert, bevor verschiedene schülerbezogene Variablen, Systemvariablen der Schule und Beziehungsvariablen auf ihren Einfluß hin befragt werden. Während die Absentismusraten mit dem Alter der Schüler tendenziell zunehmen, sind die Ergebnisse zu geschlechtsspezifischen Effekten widersprüchlich. Hinsichtlich der Milleuvariablen scheint sich eine deutliche überrepräsentanz der Unterschicht abzuzeichen, die sich besonders als Schulschwänzen bemerkbar macht. Im Kontext Schule ist auffällig, daß sich die Fehlzeiten ungleich über die Schulstunden, Wochentage und das Schuljahr verteilen. Deutliche Zusammenhänge bestehen auch zwischen dem Absentismusaufkommen und der Schulqualität, zwischen Absentismushäufigkeit und Schulform sowie zwischen Absentismus und Schulleistungsversagen. In der Regel läßt sich bei großen Teilen der Schulabsentisten ein ausgeprägtes  Schulleistungsversagen  feststellen. Grundlegend finden wir gestörte Schüler-Lehrer-, häufig belastete Eltern-Lehrer- und nicht minder problematische Schüler-Eltern-Beziehungen. Zusammen-hänge lassen sich auch für Schulschwänzen und aggressives Verhalten, Delinquenz und Drogenkonsum nachweisen. Die Bedeutsamkeit der Absentismusproblematik verdeutlichen die langanhaltenden Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter. This review examines which variables elicit, sustain or reinforce school absenteeism. 
First, we discuss issues of terminology and methodology. Second, we offer an analysis of important factors contributing to school refusal or truancy, e.g. personality, school environment, social interaction, and relations. 
The results indicate that we must discriminate among several forms of school absenteeism. Additionally, its quality and quantity vary with scientific categorization. The review of literature also shows that rates of absenteeism go up with increasing age. Regarding gender differences, inconsistent results have been found. Clearly, in lower social dasses there is more truancy than in the middle dass. Rates of absenteeism vary in the course of a school day, during days of the week, and during a school year. 
Furthermore, there seems to be a strong relationship between absenteeism and both quality and type of school. Most absentees lack academic skills compared to good attenders. The student-parent, student-teacher, and parent-teacher relationships of frequently truant students are generally poorer compared to controls. There seems to be a significant relationship between truancy on the one hand, and aggressive behavior; delinquency, and drug abuse on the other. School absenteeism has long term consequences on success and life management in adulthood. 
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aktualisiert am 30.01.2003