Heilpädagogische Forschung
 

Autoaggression und die Vorhersage physiologischer Zustandsänderungen - eine Zeitreihen-Analyse
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 1996
von Ulrich Elbing und Ulrich H. Rohmann

 

Die vorliegende Längsschnitt-Einzelfallstudie untersucht Autoaggressionen in Form von Schlägen gegen den Kopf und physiologische Erregungen durch Erfassung der Pulsfrequenz bei einer 20jährigen geistig behinderten Frau mit autistischen Zügen. An 61 Tagen wurden die Autoaggressionen und die Pulsfrequenz während der täglichen Wachphase halbstündlich notiert. Die Kreuzkorrelation der Tagesmittelwerte weist hochsignifikant die Autoaggressionswerte als Indikatorvariable für die Pulswerte bei einer zeitlichen Verschiebung von fünf Tagen aus. Die anschließende Regressionsanalyse ergibt eine signifikante Vorhersage der Pulswerte aus den fünf Tagen zuvor erhoben Autoaggressionen bei zufällig verteilten Residuen, wobei der Regressionsgleichung die Zeitreihen der ersten 40 Tagen zugrunde liegen und die übrigen 21 Tage als Validierungszeitraum dienen. In der Diskussion dieses Befundes wird mit Blick auf die zyklischen Eigenschaften beider Zeitreihen ein erster Erklärungsversuch formuliert, der das Ergebnis nicht als Nachweis einer Kausalität, sondern als ein Desynchronisierungsphänomen organismischer Steuerungsprozesse interpretiert. Es wird vermutet, dass diese Prozesse eine moderierende Funktion für Umwelt- und andere Bedingungsfaktoren von Autoaggressionen haben können, worauf auch Therapieansätze hinweisen, die auf die physologische Erregung Einfluss nehmen.

This single case study documents self-injurious behaviour (heavy blows at the head) and heart rate indicating physiological arousal of a 20 year-old female mentally handicapped person with autistic symptoms. The data were recorded every half an hour during the waking day of the subjects for a period of 61 days, and the time series consist of a daily AMs of both variables. The cross correlation of the self-injurious behaviour and the heart rate is highly significant with the heart rate lagging behind for five days. The self-injurious behavior is the leading indicator. The following regression analysis uses the self-injurious behavior as the independent variable and the lagged heart rates as the dependent variable. The first 40 days are used as historical and the last 21 days are the validation period. The significant regressions forecasts of the heart rates leave the errors randomly distributed. The discussion stresses that these results need further investigation to confirm them. Since both time series show periodical characteristics, a first explanation proposes an underlying process of desychronizing, organic regulatory mechanism rather than a deterministic constellation. This process could possibly exercise a moderating effect on environmental and other factors influencing self-injurious behavior. Some treatment strategies moderate successfully the physiological arousal, thus giving an additional confirming hint.

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aktualisiert am 30.01.2003