Heilpädagogische Forschung
 
Sozial-emotionale Kompetenzen von Kleinkindern mit einer Behinderung aus Sicht der Eltern – Eine vergleichende Studie mit geistig behinderten, hörgeschädigten und sehgeschädigten Kindern
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2015
von Manfred Hintermair, Klaus Sarimski und Markus Lang

Emotionale und soziale Kompetenzen gelten als wichtige Voraussetzungen für das Gelingen der sozialen Teilhabe in der Familie oder in Kindertagesstätten. Bei Kindern mit einer Behinderung ist der Erwerb dieser Kompetenzen mit besonderen Herausforderungen verknüpft. Es gibt bislang wenige diagnostische Verfahren, die hierfür bereits in sehr jungem Alter verlässliche Daten zur Verfügung stellen. In der vorliegenden Studie wurden 259 Kinder im Alter zwischen 2 und 36 Monaten, die entweder eine Hörschädigung, eine Sehschädigung oder eine drohende geistige Behinderung haben, mit einem neuen Verhaltensbeobachtungsinstrument von ihren Eltern in Bezug auf ihre sozial-emotionalen Kompetenzen eingeschätzt. Ebenso erfolgten Selbsteinschätzungen der Eltern zu ihren eigenen Kompetenzen zur Entwicklungsförderung und Beziehungsgestaltung mit ihrem Kind. Die Ergebnisse zeigen für die jüngere Altersgruppe (2–18 Monate) praktisch keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen behinderter Kinder, während sich bei den älteren (19–36 Monate) in allen überprüften Bereichen signifikante Unterschiede zeigen: Hörgeschädigte Kinder erzielen in allen Bereichen bessere Ergebnisse als die beiden anderen Gruppen; bei den sehgeschädigten Kindern zeigen sich einige behinderungsbedingte Kompetenzeinschränkungen. Die Ergebnisse verdeutlichen weiter, dass es insbesondere die elterliche Responsivität und die Unterstützung des Kindes bei seinen Spielaktivitäten sind, die für die Entwicklung der überprüften Kompetenzen der Kinder von Bedeutung sind. Die Förderung dieser Kompetenzen sollte entsprechend als eine zentrale Aufgabe der Frühförderung verstanden werden.

Schlüsselwörter: sozial-emotionale Kompetenzen, frühe Erfassung, elterliche Responsivität, Hörverlust, Sehbehinderung, geistige Behinderung.

Social-emotional competencies in toddlers with a disability from parents’ view –
a comparative study with mentally handicapped, hearing impaired and visually handicapped children.

Emotional and social competence sets the foundation for the child’s social participation in the family and peer-group. In children with disabilities there are specific challenges ahead in developing these competencies. To date there are few diagnostic tools available to provide reliable data in this domain at a very early age. In this study, 259 hearing impaired, visually handicapped or mentally handicapped toddlers aged between 2 and 36 months were rated by their parents with a new diagnostic tool on their social-emotional competences. We also explored the parents regarding their own competencies to support their child’s development and their relationship with the child. The results reveal for the younger group (2–18 months) nearly no significant differences between the three groups of handicapped toddlers, while for the older group (19–36 months) there were significant differences to note in all rated domains: Children with a hearing loss showed significant better results than the children from the other two groups; in the visually handicapped children there were some specific restrictions in their competence development to view. The results further make clear that in particular parental responsivity, but also the parents’ competencies to provide age-appropriate play activities are important for the development of social-emotional competencies in their children. Therefore early interventionists have to concentrate in their work on promoting these competencies.

Keywords: social-emotional competencies, early identification, parental responsivity, hearing loss, visual impairment, mental disability.

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aktualisiert
am 31.12.2015