Heilpädagogische Forschung
 
Exekutive Funktionen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit dem Förderschwerpunkt „Emotionale und Soziale Entwicklung“
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2014
von Robert Vrban, Tobias Wagner und Manfred Hintermair

In der vorliegenden Studie werden sozial-emotionale Auffälligkeiten von Schülern im Förderschwerpunkt Exekutive Funktionen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit dem Förderschwerpunkt „Emotionale und Soziale Entwicklung “ im Zusammenhang mit möglichen Problemen in der Entwicklung exekutiver Funktionen sowie der kommunikativen Kompetenz untersucht. Eine Stichprobe von N=185 Schülerinnen und Schülern wurde von ihren Lehrkräften mit einer deutschen Version des Behavior Rating Inventory of Executive Functions (BRIEF-D), einer Skala zur Beurteilung der kommunikativen Kompetenz sowie dem Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-D) eingeschätzt. Die Ergebnisse zeigen eine deutlich erhöhte Rate an Auffälligkeiten in allen Skalen des BRIEF im Vergleich zu Kindern ohne einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Eine Regressionsanalyse macht den Zusammenhang von exekutiven Funktionen und kommunikativer Kompetenz mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten deutlich, wobei hier ausschließlich die verhaltensregulierenden exekutiven Funktionen bedeutsam sind. Weiterführende Analysen mit den verschiedenen Verhaltensbereichen des SDQ ergeben, dass die verhaltensregulierenden exekutiven Funktionen für die Vorhersage aller Bereiche sozial-emotionalen Verhaltens verantwortlich sind, während die metakognitiven exekutiven Funktionen ausschließlich für die Vorhersage hyperaktiven Verhaltens verantwortlich sind. Die Ergebnisse werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die pädagogische Praxis diskutiert, wobei insbesondere der Blick auf die Konsequenzen für eine inklusive Beschulung von Relevanz ist. Eine gezielte Förderung emotionsregulierender und handlungssteuernder Kompetenzen sowie die Unterstützung im Erwerb von Fähigkeiten bei der Planung und Überwachung von Handlungen scheinen für die untersuchte Gruppe von besonderer Bedeutung zu sein.

Schlüsselwörter: Förderschwerpunkt „Emotionale und Soziale Entwicklung“, Exekutive Funktionen, kommunikative Kompetenzen, Verhaltensauffälligkeiten

Executive functioning, communicative competence and behavior disorders in students with different types of impairment.

In this study social emotional problems of school-aged students with behavior disorders, emotional and behavioral disorders are analyzed in the context of executive functioning and communicative competence. Executive functions were assessed for a sample of N=185 students by their teachers with a German version of the Behavior Rating Inventory of Executive Functions (BRIEF-D). In addition, a questionnaire measuring communicative competence was administered as well as a questionnaire on socio-emotional problems (German version of the Strengths and Difficulties Questionnaire; SDQ-D). Results show a significantly higher rate of problems in developing executive functions for all scales compared with non disabled students. A regression analysis revealed an important contribution of executive functions, in particular behavior regulation competencies, and communicative competence to social emotional functioning. Further analysis with various SDQ domains reveal that the behavior regulating index predicts the scores of all social-emotional domains, whereas the metacognition index predicts exclusively hyperactive behavior. The relevance of the findings for education, especially inclusive education, is discussed. Results suggest that a targeted intervention concerning executive competencies like emotional regulation, inhibitory controlling and support in planning and monitoring behavior in social and school activities seem to be of special importance for this group of students.

Keywords:emotional and behavioral disorder, executive functioning, communicative competence, behavior disorder

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aktualisiert
am 11.03.2015