Heilpädagogische Forschung
 
Editorial von Herbert Goetze aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2014

Liebe Leserin, lieber Leser
der Heilpädagogischen Forschung,

man könnte fast den Eindruck haben, dass die Diskussion um die sog. Gestützte Kommunikation wie in einer Endlosschleife immer weiter fortgeführt wird. In dieser Ausgabe der Heilpädagogischen Forschung finden sich wiederum zwei Beiträge dazu. Im Berichtsteil dieser Ausgabe findet sich der Beitrag von Jan Markus Köhler und Markus Scholz unter dem Titel „Gestützte Kommunikation (FC) im Spannungsfeld wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Umsetzung. Eine Studie zur Verwendung einer umstrittenen Methode an Schulen in Rheinland-Pfalz“. Es ging also um die Verbreitung der Methode. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Methode im Vergleich seltener Anwendung findet als in Bayern oder Baden-Württemberg. Das dann folgende Statement zur Gestützten Kommunikation spiegelt die Position von US-amerikanischen Mitgliedern von ISAAC wider und schließt sich inhaltlich an den vorausgegangenen Bericht an. Wie am Ende des Statements nachzulesen ist, befindet es sich in Übereinstimmung mit Positionen von hoch angesehenen internationalen Fachorganisationen. Ob es sich um eine weitere „Unterschriftensammlung statt wissenschaftlicher Auseinandersetzung“ handelt, mag dann die Leserschaft entscheiden.

Diese Ausgabe wird durch einen wichtigen Forschungsbeitrag eingeleitet unter dem Titel „Schwache Leistungen im Pseudowort-Lesen bei deutschsprachigen Erwachsenen mit nur geringen Defiziten in der phonologischen Bewusstheit“ von Barbara Maria Schmidt, Alfred Schabmann und Barbara Schiller. Das Autorenteam von den Universitäten Wien und Köln untersuchte dabei die Forschungsfrage, ob sich dieses Muster von Kindern auch bei Erwachsenen zeigt, die nur sehr langsam und stockend lesen können. Die Ergebnisse bestätigen die zuvor formulierten Annahmen bezüglich Lesegenauigkeit und -geschwindigkeit.

An zweiter Stelle finden sich die Forschungsergebnisse der Arbeit von Susanne Schwab, Norbert Holzer und Ursula Grasser zu Effekten einer förderpädagogischen Unterstützung für den Schuleingangsbereich auf die Mathematikfähigkeiten. Ziel war es also, die Effektivität einer förderpädagogischen Unterstützung im Schuleingangsbereich auf die mathematische Kompetenz von Schüler/-innen der ersten Grundschulklasse zu prüfen. Im Großen und Ganzen zeigen die Ergebnisse, dass durch eine förderpädagogische Unterstützung in der Tat Verbesserungen in der Mathematikleistung und damit präventive Wirkungen erzielt werden konnten.

Eberhard Grüning von der Universität Flensburg hat sich der Mühe unterzogen, eine landesweite Erhebung in Schleswig-Holstein zur Schülerschaft mit intellektuellen Beeinträchtigungen, früher als Geistige Behinderung bezeichnet, durchzuführen. Es ging dabei nicht nur um reine Zahlenangaben, sondern auch um persönliche, soziale und bildungsbiografische Hintergründe dieser Schülerklientel. Erstaunlicherweise verweisen manche Ergebnisse auf Trends, die den gegenwärtigen bildungspolitischen inklusiven Zielstellungen entgegengerichtet sind. Sie sollten sich die Lektüre dieses wichtigen Beitrags nicht entgehen lassen.

Lassen Sie mich abschließend auf die Testaufgaben zu jedem Forschungsbeitrag hinweisen, die im Bereich der Hochschuldidaktischen Seite abgedruckt sind. Die Lösungen der Richtig-Falsch-Items können der interessierten Leserschaft eine Auskunft darüber geben, ob man die Inhalte korrekt verstanden hat. In der jeweils folgenden Ausgabe finden Sie dann die richtigen Lösungen,

Ihr
Herbert Goetze

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aktualisiert
am 11.03.2015