Heilpädagogische Forschung
 
Zur Problematik unsicherer Bindung bei Lehrern und Erziehern in der Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 2014
von Andrea Beetz

Die Qualität der Beziehung zwischen
Kind und Lehrkraft oder Erzieher ist ein zentraler Faktor für das Erreichen pädagogischer Zielsetzungen, vor allem in der Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung. Aus Sicht der Bindungstheorie erschweren nicht nur unsichere Bindungsrepräsentationen der Kinder den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung. Auch ungünstige Repräsentationen von Bindung bei der pädagogischen Fachkraft, welche deren Fürsorgeverhaltenssystem prägen, wirken dem entgegen. In einer Stichprobe von 48 Lehrkräften und Erziehern aus einer Sonderschule und einer stationären Jugendhilfe wiesen nur 44% eine sichere Bindungsrepräsentation im Adult Attachment Projective (AAP) auf. Bei 21% wurde eine Bindungsdesorganisation festgestellt. Sowohl der hohe Prozentsatz unsicherer als auch desorganisierter Bindungsrepräsentationen bei den päd­agogischen Fachkräften ist im Hinblick auf den Umgang mit emotional und verhaltensauffälligen Kindern bedenklich, unter anderem weil diese wahrscheinlich mit weniger adäquaten Reaktionen auf das kindliche Bedürfnis nach sozialer Unterstützung sowie weniger effektiver Emotions- und Stressregulation beim
Kind und bei der Fachkraft selbst einhergehen.

Schlüsselwörter: Bindung, Caregiving, Lehrer, Erzieher, Sonderpädagogik, sozial-emotionale Entwicklung

On the problem of insecure attachment in teachers and child care workers in special education focusing on social and emotional development.

The quality of the relationship between a child and a teacher strongly affects educational success, particularly in special education focusing on social and emotional development. From the viewpoint of attachment theory, insecure attachment representations of the children complicate establishing trusting relationships, as do probably insecure attachment representations of the teachers, since these shape their caregiving behavior. In a sample of 48 teachers and child care providers working in special education with children and juveniles with emotional and behavioral disorders, only 44% showed a secure attachment representation, assessed via the Adult Attachment Projective (AAP). An attachment disorganization was detected in 21%. The high percentage of insecure and disorganized attachment representations among teachers and child care workers in special education seems problematic, especially when they interact with children with emotional and behavioral disorders. It is likely that they show less adequate reactions towards the child’s need for social support and are less effective in regulating emotions and stress of the child and of themselves.

Keywords: attachment, caregiving, teacher, child care worker, special education, social and emotional development

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aktualisiert
am 11.03.2015