Heilpädagogische Forschung
 
„Wenn etwas im Kopf nicht richtig ist“ – Konzepte und Einstellungen von Kindern gegenüber Gleichaltrigen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen –
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 2014
von Angela Gosch

Zu kindlichen Einstellungen und Konzepten gegenüber Gleichaltrigen mit geistigen im Vergleich zu Kindern mit psychischen Beeinträchtigungen, d.h. Ängsten und einer Störung des Sozialverhaltens, ist wenig bekannt. Daher werden in dieser Studie Konzepte und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern gegenüber Kindern mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen erhoben. 193 Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse lasen entweder eine Fallvignette über ein Kind mit geistiger oder psychischer Beeinträchtigung, hier entweder mit einer Angststörung oder Störung des Sozialverhaltens. Im Anschluss daran beantworteten sie Fragen zu Einstellungen dem Kind gegenüber, zu ihrer Einschätzung der sozial-emotionalen Situation des Kindes, ihren Ursachenvermutungen und Einschätzungen von Hilfsmöglichkeiten. Zusätzlich wurden Determinanten wie das Geschlecht, Migrationsstatus, der familiäre sozio-ökonomische Status und Kenntnis eines Kindes wie in der Geschichte erfasst. Die Einstellungen Kindern mit geistiger Beeinträchtigung gegenüber sind am positivsten, gefolgt von denen Kindern mit Ängsten gegenüber, und am wenigsten positiv werden Kinder mit Störung des Sozialverhaltens beurteilt. Kinder mit geistiger Beeinträchtigung werden im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen als signifikant glücklicher, beliebter bei anderen und mit mehr Freunden ausgestattet, aber auch als krank beschrieben. Während Kinder mit Ängsten als wenig neugierig und traurig eingeschätzt werden, werden für Kinder mit Störung des Sozialverhaltens gute Schulleistungen angegeben und sie werden als am wütendsten beschrieben. Als Ursachen werden bei Kindern mit geistiger Beeinträchtigung eher biologische und Vererbungsfaktoren herangezogen, während bei Kindern mit psychischen Beeinträchtigungen vermehrt Schwierigkeiten in der Familie und den sozialen Beziehungen angegeben werden. Als Hilfsmaßnahmen werden für Kinder mit geistiger Beeinträchtigung vor allem das Spielen im Freien und für Kinder mit psychischen Beeinträchtigungen zumeist Gespräche mit Eltern und den Kindern angegeben. Die Ergebnisse weisen auf Einstellungsänderungen gegenüber Kindern mit geistiger Beeinträchtigung hin, die auf Inklusionsbemühungen und / oder Aufklärungsarbeiten verschiedener Organisationen und der Medien zurückgeführt werden können.

Schlüsselwörter: Einstellungen, Ursachenattribution, geistige und psychische Beeinträchtigung, Ängste bei Kindern, Störung des Sozialverhaltens

“If there is something wrong in the head”. Concepts and attitudes of children towards children with intellectual disabilities and mental disorders.

Studies comparing attitudes of students towards and concepts about children with intellectual disability (ID) in comparison to children with mental disorders (MD) are rare. This study aims to investigate these attitudes and concepts. N = 193 4th grade students were asked to read a case story either about a child with ID or with MD (either with anxiety or conduct problems). After reading the case story students filled in a questionnaire addressing their overall attitude towards the child in the case study, their assessment of the child’s social-emotional well-being, causes for the behaviour, and possibilities to help the child. Determinants of attitudes like gender, migration status, familial affluence, and the knowledge of a child like in the case-story were assessed. Attitudes towards children with ID were significantly more positive than those towards children with MD and for children with a conduct disorder attitudes were rated as being significantly negative. Children with ID were rated as being significantly happier, popular with others and as having more friends. While children with an anxiety disorder were described as being less curious and unhappy, children with conduct disorder were assessed as being angrier, but successful in school. For ID more biological and genetic causes were named than for the other groups, and for children with MD more familial and social causes were rated. Playing outdoors as a supporting measure were rated for children with ID and for children with MD counselling offers for parents were asked for. Attitudes towards children with ID are significantly more positive than towards children with MD and can be explained with ongoing efforts for inclusion. ­These efforts should be maintained and efforts to reduce prejudices against children with MD should be enhanced.

On the whole the three scales authoritarian, authoritative and permissive could be verified in the German version of the PAQ.

Keywords: attitudes, causal attributions, intellectual disability, mental disorders, anxiety disorder, conduct disorder, children

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aktualisiert
am 11.03.2015