Heilpädagogische Forschung
 
Editorial von Herbert Goetze aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 2 2014

Liebe Leserin, lieber Leser
der Heilpädagogischen Forschung,

diese Ausgabe der Heilpädagogischen Forschung bietet Ihnen ein weiteres Mal einen Einblick in die derzeitig interessierenden Fachfragen.

Lassen Sie mich zu Beginn zwei Neuerungen hinsichtlich der Herausgabe unserer Fachzeitschrift mitteilen: Im Peer-Reviewer-Beirat hat es eine personelle Änderung gegeben: Dr. Adrienne Biermann scheidet aus, weil sie derzeit alle Energien daran setzt, das schwer umsetzbare Vorhaben der Inklusion für die Schülergruppe mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen auf den Weg zu bringen. Wir sind ihr dankbar dafür, dass Sie uns als Hallenser Juniorprofessorin und als Fachfrau für FC so lange unterstützt hat. An ihre Stelle tritt Frau Dr. Barbara Schmidt, die erst kürzlich von der Universität Wien nach Köln gewechselt ist. Frau Dr.Schmidt war bereits „hinter den Kulissen“ für die Heilpädagogische Forschung tätig und wird nun zur offiziellen Peer-Reviewerin, wozu wir ihr allen denkbaren Erfolg wünschen.

Eine weitere Neuerung wird Ihnen kaum ins Auge fallen. Seit Jahren gibt es im hinteren Teil jeder Ausgabe Hochschuldidaktische Fragen, die insbesondere in Hochschulseminaren diskutiert werden. Nun führen wir eine zusätzliche Fragekategorie ein, die zum Ziel hat, Ihnen die Chance der Wissensüberprüfung zu geben: Für jeden Forschungsbeitrag gibt es einen Minitest mit Items, die als richtig oder falsch zu beurteilen sind. Im Nachfolgeheft finden Sie dann die korrekten Lösungen. Mit diesen Minitests kann man überprüfen, ob neues Wissen erfolgreich verarbeitet worden ist. Diese kleine Herausforderung sollte vielleicht mit einem gewissen Schmunzeln angenommen werden.

Und nun zu den Fachbeiträgen dieser Ausgabe: Matthias Grünke, Sebastian Neubauer und Yvonne Offer von der Universität Köln haben unter dem Titel „Förderung eines Jugendlichen mit massiven Rechen- und Verhaltensproblemen durch tutorielles Lernen“ eine kontrollierte Einzelfallstudie vorgelegt, mit der sie das bisher vernachlässigte Verfahren des peer tutoring einer Überprüfung unterzogen haben. Lassen Sie sich über­raschen, ob sich auf diese Weise Verhaltensauffälligkeiten reduzieren und Lernerfolge erzielen lassen.

Angela Gosch von der Münchener Hochschule hat in ihrer Studie Konzepte und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern gegenüber Kindern mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen untersucht, indem sie Viertklässlern Fallvignetten vorgelegt hat, in denen ein Kind mit geistiger bzw. psychischer Behinderung beschrieben wurde. Die Schüler beantworteten anschließend spezifische Fragen zum Fallkind. Die Ergebnisse dieser Untersuchung weisen deutliche Implikationen für alle Inklusionsbemühungen auf.

Andrea Beetz von der Rostocker Universität greift mit ihrem Beitrag unter dem Titel „Zur Problematik unsicherer Bindung bei Lehrern und Erziehern in der Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung“ geradezu ein Tabuthema auf, das bisher wenig beforscht worden ist. Sie fragt nämlich danach, inwieweit Bindungsstörungen nicht nur bei Förderschülern, sondern auch bei Förderlehrkräften auffindbar sind. Diese Arbeit tangiert das Selbstverständnis von Pädagogen und wirft ein neues Licht auf Interaktionsprobleme zwischen Schülern und Lehrern.

Der abschließende Bericht informiert über ein amerikanisches Lehrerausbildungsseminar, in welchem den Master-Studierenden eine Interviewaufgabe im Fach Pädagogik bei Verhaltensstörungen gestellt worden ist. Die an Ausbildungsfragen interessierte Leserschaft wird damit über dortige Ausbildungsgepflogenheiten informiert, zugleich wird über ein dort nicht untypisches Schülerschicksal berichtet.

Ich verspreche Ihnen nicht zu viel: Diese Ausgabe der Heilpädagogischen Forschung hat hoch interessante und lesenswerte Arbeiten zum Inhalt. Ich wünsche Ihnen viele Anregungen und eine interessante wissenschaftliche Lektüre,

Ihr
Herbert Goetze

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aktualisiert
am 11.03.2015