Heilpädagogische Forschung
 
Evaluation eines Diagnoseverfahrens zur Erfassung der Lesekompetenz im weiteren und engeren Sinne von Menschen mit geistiger Behinderung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2013
von Jan Kuhl, Nils Euker und Arno Koch

Im deutschsprachigen Raum hat sich im Rahmen der Leseinstruktion für Menschen mit geistiger Behinderung ein erweiterter Lesebegriff etabliert, der dem Lesen der Alphabetschrift das Lesen von ikonischen und symbolischen Zeichen entwicklungslogisch voranstellt. Es gibt zwar theoretisch begründete Entwicklungsmodelle des erweiterten Leseerwerbs, bisher fehlt aber eine empiri­sche Überprüfung. Mit der Leselupe (Koch & Euker, 2009) liegt inzwischen ein standardisiertes, diagnostisches Verfahren zur Erfassung der erweiterten Lesekompetenz vor.

Ziel der pilotierenden Studie war die empirische Evaluation der Leselupe. Zudem sollten erste empirische Erkenntnisse zum Konstrukt des erweiterten Lesens gewonnen werden. An der Untersuchung nahmen 40 Personen mit geistiger Behinderung teil. Mit den Pbn wurde die Leselupe zu zwei Messzeitpunkten im Abstand von drei Wochen durchgeführt. Zusätzlich wurden die phonologische Bewusstheit, die Schreibkompetenz sowie Intelligenz- und Arbeitsgedächtnismaße erhoben.

Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass zwar ein Modifikationsbedarf des Testverfahrens besteht, die Leselupe aber durchaus ein reliables und valides Testverfahren zur Erfassung der erweiterten Lesekompetenz darstellt. Als problematisch erwiesen sich Items der Skalen des erweiterten Lesens, die zu einem großen Teil Lesekompetenz im engeren Sinne erfassten. Ein Zusammenhang zwischen der Leseleistung im engeren und weiteren Sinne konnte nicht festgestellt werden. Dieses Ergebnis steht der theoretisch angenommenen entwicklungslogischen Verknüpfung dieser beiden Teilkompetenzen entgegen.

Schlüsselwörter: geistige Behinderung, Lesen, erweiterter Lesebegriff, Diagnostik

Measuring the expanded reading skills of students with intellectual disabilities: Evaluation of a diagnostic test.

In German speaking research studies reading instruction for students with intellectual disabilities (ID) is mostly based on an expanded reading concept in which reading of iconic and symbolic signs is viewed to be a necessary prerequisite of learning to read an alphabetic script. Although theoretically based developmental models of expanded reading acquisition have been published, there is a total lack of empirical research in this area. Recently Koch and Euker (2009) presented a standardised test of expanded reading skills called Leselupe (“reading magnifier”).

This pilot study is aimed at evaluating the Leselupe and to gather first empirical data on the acquisition of expanded reading skills. 40 persons with ID participated in this study. The Leselupe was applied twice within a three-week interval. Additionally, phonological awareness skills, writing skills, intelligence and working memory capacity were measured.

Results showed that although there is a need for modification of proposed test procedure, the Leselupe certainly represents a reliable and valid test for measuring the expanded reading skills of persons with ID. Correlations between iconic-symbolic and alphabetical reading performance were found to be non significant. This finding stands in contrast to theoretically derived expectations about the development of expanded reading skills.

Keywords: intellectual disability, reading, expanded reading concept, reading diagnosis.

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aktualisiert
am 11.03.2015