Heilpädagogische Forschung
 
Exekutive Funktionen, sozial-emotionale Auffälligkeiten und Assistenzbedarf bei Schülerinnen und Schülern mit einer geistigen Behinderung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2012
von Frauke Janz, Hanna Ege, Mareike Heitner und Manfred Hintermair

In der vorliegenden Studie werden sozial-emotionale Auffälligkeiten und der Assistenzbedarf von Kindern mit geistiger Behinderung im Schulalter im Zusammenhang mit möglichen Problemen in der Entwicklung exekutiver Funktionen sowie der kommunikativen Kompetenz diskutiert. Eine Stichprobe von 260 Schülern, von denen 155 an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und 105 in sog. Außenklassen unterrichtet werden, wurde von ihren Lehrkräften mit einer deutschen Version des Behavior Rating Inventory of Executive Functions (BRIEF-D), einer Skala zur Beurteilung der kommunikativen Kompetenz, sowie dem Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-D) untersucht. Zusätzlich wurde der Assistenzbedarf der Schüler differenziert eingeschätzt. Die Ergebnisse zeigen eine deutlich erhöhte Rate an Auffälligkeiten in allen Skalen des BRIEF-D sowie bedeutsame Zusammenhänge mit den Skalen des SDQ-D. Erwartungsgemäß verfügen die Kinder in Außenklassen über bessere exekutive Kompetenzen als Kinder in der Sonderschule, dies betrifft insbesondere die verhaltensregulierenden exekutiven Funktionen. Eine Regressionsanalyse macht den Zusammenhang von verhaltensregulierenden exekutiven Funktionen und kommunikativer Kompetenz mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten deutlich. Zur Vorhersage des Assistenzbedarfs sind dagegen die metakognitiven exekutiven Funktionen von größerer Bedeutung. Die Ergebnisse werden in ihren Konsequenzen für die pädagogische Praxis insbesondere im Hinblick auf eine inklusive Beschulung diskutiert. Eine frühe gezielte Förderung von Kompetenzen wie der Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle in kommunikativen Settings wird ausgehend von den Befunden empfohlen.

Schlüsselwörter: geistige Behinderung, Exekutive Funktionen, kommunikative Kompetenzen, Verhaltensauffälligkeiten, Inklusion

Executive functioning, communicative competence and behavior disorders in students with intellectual impairment

In this study socio-emotional problems of school-aged students with intellectual impairment are discussed in the context of executive functioning, communicative competence and their need for assistence. Executive functions were assessed for a sample of 260 students by their teachers with the German version of Behavior Rating Inventory of Executive Functions (BRIEF-D), 155 of them attend a school for special needs, 105 attend a so called “Außenklasse”, which means, that one class from a special school gets its lessons in a regular school and cooperates with a regular class. In addition, a questionnaire measuring communicative competence was administered as well as a questionnaire on socio-emotional problems (German version of the Strengths and Difficulties Questionnaire; SDQ-D). Also the amount of necessary assistance had been assessed. The results show a significantly higher rate of problems in developing executive functions for all scales, and significant relationships of BRIEF scales to SDQ-D scales. Children who get their lessons in an integrative setting have less problems concerning the behaviour-related scales of the BRIEF-D than children in special schools. A regression analysis revealed important contributions of executive functions and communicative competence for socio-emotional problems. The need for assistance is connected with metacognitive executive competencies. The relevance of the findings for pedagogical work, especially concerning inclusive schools, is discussed. Our results suggest that an early intervention concerning the executive competencies would be reasonable in order to prevent behavior difficulties.

Keywords: intellectual disability, executive functioning, communicative competence, behavior disorder, inclusion

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aktualisiert
am 11.12.2012