Heilpädagogische Forschung
 
Evaluative Studie zur Gestützten Kommunikation auf der Grundlage dreier Einzelfallanalysen an Personen mit Intelligenzminderung und Autismus-Spektrum-Störung
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2012
von Paul Probst

Obwohl sich die Gestützte Kommunikation (FC) in vielfach replizierten kontrollierten Studien als ineffektiv erwiesen hat und internationale Fachgesellschaften eindeutige Position gegen dieses Verfahren bezogen haben, wird FC in den Bereichen der Behindertenhilfe sowie Heil- und Sonderpädagogik bis heute relativ häufig verwendet. Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, anhand von Einzelfallanalysen an drei nichtsprechenden Personen, bei denen FC zur Anwendung kam, schwerwiegende psychosoziale Risiken der Gestützten Kommunikation aufzuzeigen. Die drei deskriptiven Fallanalysen betreffen die Beschuldigung eines Vaters wegen sexuellen Missbrauchs seiner 12-jährigen Tochter, die Evaluation einer Schulbegleitung eines 10-jährigen Jungen und die Beschuldigung eines Vaters wegen sexuellen Missbrauchs seiner 16-jährigen Tochter. Die eingesetzten Methoden umfassten standardisierte Testverfahren, systematische Verhaltenbeobachtung, halbstandardisierte Interviews und qualitative Dokumentenanalyse. In den Ergebnissen zeigte sich, (a) dass die unter FC verfassten Beschuldigungen des Vaters des 12-jährigen Mädchens unbegründet und auf den Stützereinfluss zurückzuführen waren, (b) dass die behaupteten außerordentlichen kognitiv-kommunikativen Leistungen des 10-jährigen Jungen auf den Stützereinfluss zurückgingen, (c) dass die unter FC verfassten Beschuldigungen des Vaters des 16-jährigen Mädchens ebenfalls unbegründet und auf den Stützereinfluss zurückzuführen waren, (d) dass die Falschbeschuldigungen in beiden Fällen erhebliche Traumatisierungen der betroffenen Familien zur Folge hatten. Basierend auf einer Zusammenschau der Ergebnisse werden ethische Aspekte der FC, insbesondere im Hinblick auf die UN Behindertenrechtskonvention, erörtert. Für durch FC viktimisierte Personen und für frühere Stützpersonen, die sich von der FC-Community abgewandt haben, werden soziale Unterstützungsangebote vorgeschlagen.

Schlüsselwörter: Gestützte Kommunikation/ Facilitated Communication, Intelligenzminderung, Autismus-Spektrum-Störungen, Einzelfallstudie, sexueller Missbrauch, Schulbegleiter/Integrationshelfer, Viktimisierung

Evaluative study on Facilitated Communication (FC) based on three single subject analyses including individuals with Intellectual Disability and Autism Spectrum Disorder.

In the present study teachers’ appraisal of the impact of including disabled children on children without disabilities are analyzed. Changes of these appraisals over time are examined. We analyzed influences of type of disability and professional teacher aspects (work settings, work experience). 578 primary school teachers in Austria were surveyed with Reicher’s (1988) appraisal scale at two different points in time (1998 and 2009). The results were compared with those of Reicher’s original study (1988; N = 262 teachers). Psychometric scale characteristics and empirical results are presented. The scale shows encouraging psychometric qualities. Related to the impact of mainstreaming on children without disabilities, teacher appraisals depend on the type of disability of the mainstreamed children. Including children with physical disabilities is valued best, while inclusion of children with behavioral disorders is rated worst. Teachers’ professional background (special school, primary school without integration, primary school with teachers in integration classes, integration classes/remedial classes) was not found to be of major influence on appraisals. In 1998, the effects of mainstreaming children with physical disabilities and of children with mental disabilities on children without disabilities was assessed in a more positive way compared to ratings ten years before (1987). Between 1998 and 2009 attitudes towards inclusion of children with physical disabilities changed into a more favorite direction.

Keywords: Facilitated Communication (FC), Intellectual Disability, Autism Spectrum Disorders, single subject study, inclusion assistant, sexual abuse, victimization

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aktualisiert
am 04.09.2012