Heilpädagogische Forschung
 
Mehrsprachige Kinder in sprachtherapeutischer Behandlung: eine Bestandsaufnahme
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 4 2011
von Carina Lüke und Ute Ritterfeld

Eine mehrsprachige Sozialisation stellt keinen zusätzlichen Risikofaktor bei der Entstehung von Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schluckstörungen dar. Aber dennoch treten diese Störungen auch bei mehrsprachigen Kindern auf. Mit der vorliegenden Studie untersuchten wir demnach, wie viele mehrsprachige Kinder sich aufgrund welcher Indikationen in sprachtherapeutischer Behandlung befinden und überprüften, ob hierbei Unterschiede im Vergleich zu einsprachigen Kindern bestehen. Des Weiteren untersuchten wir das Kompetenzempfinden der TherapeutInnen in der sprachtherapeutischen Versorgung mehrsprachiger Kinder sowie mögliche Einflussfaktoren. Hierzu wurde ein ad-hoc-Fragebogen entwickelt und als Onlineformat an SprachtherapeutInnen verschickt. Insgesamt können die Ergebnisse von 230 TherapeutInnen berichtet werden. Diese zeigen, dass mehrsprachige Kinder im Vergleich zu einsprachigen häufiger in sprachtherapeutischer Behandlung sind aufgrund einer umschriebenen Sprachentwicklungsstörung und seltener aufgrund einer Aussprachestörung oder einer Dysphagie. Die TherapeutInnen erleben sich im Schnitt als eher kompetent in der Beratung von Eltern mehrsprachiger Kinder sowie in der Therapie dieser Kinder. In der Diagnostik ist ihr Kompetenzempfinden niedriger ausgeprägt. Eine eigene mehrsprachige Sozialisation sowie die eigenständige Auseinandersetzung mit dem Phänomen Mehrsprachigkeit haben Einfluss auf das Kompetenzempfinden.

Schlüsselwörter: Mehrsprachigkeit, Therapie, Diagnostik, umschriebene Sprachentwicklungsstörung.

Bilingual children in speech therapy: Results of a survey.

Learning two languages does not present an additional risk factor for the development of communication disorders. However, bilingual children may also be affected by one of these disorders. In this study we surveyed the proportion and diagnoses of bilingual children receiving speech therapy in Germany in order to identify differences in care between monolingual and bilingual children. In addition, we investigated self efficacy and perceived competence in speech and language pathologists. An ad hoc questionnaire was delivered online allocating responses from 230. Results indicate that bilingual children get more often speech therapy to treat a specific language impairment compared with monolingual children, but they receive fewer treatments if they suffer from speech delay or dysphagia. Speech and language pathologists perceive themselves as being quite competent in counseling parents of bilingual children and in treating these children, but they are only partially prepared to assess and diagnose bilingual children. The perception of competence was mediated by pathologists’ own bilingual socialization and positive attitude towards bilingualism.

Keywords:bilingualism, second language acquisition in childhood, communication disorders, speech therapy, diagnostic, specific language impairment.

zur Übersicht des Jahrgangs 2011
pic/blindgelb.gif (103 Byte)
zurück zum Kopf der Seite
aktualisiert am 25.12.2011