Heilpädagogische Forschung
 
Editorial von Herbert Goetze aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 2011

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Liebe Leserin, lieber Leser
der Heilpädagogischen Forschung,

dass wissenschaftliche Fachzeitschriften um ihre Existenz zu ringen haben, ist wohl kein Geheimnis mehr. Die Aufwände, die die redaktionellen Arbeiten einschließlich der Peer Reviews, das Layouten, das Drucken und Versenden mit sich bringen, sind nicht unbeträchtlich, werden jedoch durch die Einnahmen nur mit Mühe gedeckt. So ist es wieder einmal an der Zeit, sämtlichen Zuarbeitern für die Heilpädagogische Forschung einmal mehr für ihr Engagement zu danken, aber auch denen, die der Heilpädagogischen Forschung jahrelang ihr kritisches Leseinteresse gewidmet haben. Wie schmal der ökonomische Grat ist, auf welchem Fachzeitschriften balancieren, zeigt sich gerade einmal mehr daran, dass eine renommierte heilpädagogische Zeitschrift ihr Erscheinen einstellt. Das ökonomische Eis der Existenz einer solchen Fachzeitschrift, soweit sie nicht durch Fachverbände oder Konzerne finanziert wird, ist äußerst dünn, und so ist auch die Heilpädagogische Forschung dankbar, wenn sich uneigennützige Förderer finden, die unser Ziel unterstützen, solide Forschungsbeiträge einer interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch in dieser Ausgabe der Heilpädagogischen Forschung findet sich wieder einmal ein Spektrum an Beiträgen, die ein weites inhaltliches Feld abdecken und zugleich den aktuellen Diskussionsstand der Disziplin repräsentieren. An erster Stelle wird Matthias Grünke von der Universität zu Köln seine Untersuchung zum Life-Kinetik-Training vorstellen. Hier geht es um ein Bewegungsprogramm, um ein innovatives Verfahren, mit welchem der Autor dem Zusammenhang zwischen Koordinationsfähigkeit und kognitiver Leistungsgeschwindigkeit bei Schülern des Förderschwerpunktes Lernen nachgegangen ist. Mit Hilfe eines aufwändigen Kontrollguppenversuchs konnte die Effektivität des Life-Kinetik-Trainings nachgewiesen werden.

Eberhard Grüning von der Flensburger Universität fasst mit seiner Untersuchung mit dem Titel „Emotionales Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung im schulischen Kontext unter inklusiven und segregativen Bedingungen“ ein „heißes Eisen“ der gegenwärtigen Inklusionsdebatte an. Offensichtlich – so ist den methodisch solide erzielten Ergebnissen zu entnehmen – können Kinder in beiden Settings mit Freude lernen.

„Ergebnisse einer an TEACCH orientierten häuslichen Eltern-Kind-Intervention bei einem fünfjährigen Jungen mit Autismus-Spektrum-Störung“ ist die Einzelfallstudie von Paul Probst aus Hamburg tituliert. Hier geht es um eine Evaluation des TEACCH-Ansatzes im deutschsprachigen Raum, nachdem aus anglo-amerikanischen Ländern bereits einiges an Studien vorliegt. Kriterien waren Sprach-, Kommunikations-, Spiel-, On-task-Verhalten sowie familiäres und schulisches Adaptationsverhalten. Die Ergebnisse zeigen insgesamt positive Effekte und bekräftigen die Auffassung, dass der TEACCH-Ansatz auch im hiesigen Kontext effektiv, sozial akzeptiert und praktikabel ist.

Dem letzten Beitrag liegt eine Untersuchungsgruppe von Studierenden der Indiana University Northwest zugrunde, die in einem Krisenmanagement-Verfahren trainiert worden ist. Der Ergebnisteil hat zum Inhalt, wie das Training durch die unterwiesenen Studierenden, durch begleitende Lehrkräfte und durch die behandelten Schüler selbst eingeschätzt wurde. Die vorliegenden Ergebnisse werden hinsichtlich Stärken und Schwächen des Vorgehens und in Richtung auf die Optimierung des Trainings interpretiert. Nach allem kann man davon ausgehen, dass das Training sowohl für die Trainierten wie auch für die betroffenen Schüler mit Verhaltensstörungen effektiv ist.

Es handelt sich fürwahr um ein breites Themenspektrum in dieser Ausgabe der Heilpädagogischen Forschung, das sicherlich viel Leseinteresse finden wird,

Ihr
Herbert Goetze

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aktualisiert am 17.04.2011