Heilpädagogische Forschung
 
Mathematische Textaufgaben mit irrelevanten Informationen im Mathematikunterricht mit lernschwachen und lernbehinderten Schülern
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2006
von Wolfgang Sonntag

Bei der Umsetzung von Sachsituationen im Mathematikunterricht mit lernbehinderten Schülern gilt nach wie vor die Auffassung, dass lernschwache Schüler nur mit einfachen – im Sinne von leichten – Sach- und Textaufgaben konfrontiert werden können. Die Aufgaben sind eindeutig, vollständig und verständlich formuliert, es sind immer genau so viele Daten gegeben, dass das jeweilige Problem widerspruchsfrei gelöst werden kann. In der Regel dienen diese Routineaufgaben lediglich der nachgereichten Anwendung von kurz vorher im Unterricht gelernten mathematischen Operationen. In einer experimentellen Untersuchung (N = 49) wird gezeigt, dass lernbehinderte Kinder in der Lage sind, auch andere als nur Routineaufgaben zu lösen. Die Ergebnisse einer nur etwa vierstündigen Intervention zum Unterscheiden relevanter und irrelevanter Zahlenangaben zeigen, dass die Kinder, die an dem Training teilnahmen, den Schülern der Kontrollgruppe, die im regulären Unterricht verblieben, nach dem Training deutlich überlegen sind. Das Bearbeiten von Textaufgaben im Mathematikunterricht der Förderschule sollte sich dahingehend ändern, dass auf Verstehen und Problemlösen statt auf rein mechanisches Abarbeiten mehr Wert gelegt wird.

Schlüsselwörter: Sach- und Textaufgaben, Problemlösen, Unterscheidung von relevanten und irrelevanten Informationen

Math word problems with irrelevant information with learning disabled students. First problems concerning mathematical tasks (verbal problems) which children with learning disabilities face at school are discussed. Math problems should be formulated in a clear, precise and comprehensible way. Furthermore it is important to present as many data (information) as needed. Additional exercises are supposed to consolidate mathematical comprehension. Examples show that children with learning disabilities can – in contrast to experts' opinions – actually achieve more abilities when tutored adequately. With our experiment (N = 49) we tested the distinction of relevant and irrelevant mathematical data in verbal problems. In a controlled group experiment it could be shown that students who had participated in the four-hour training clearly outmatched the control pupils who were taught in a traditional manner. It can be concluded that the exposure to math word problems at schools for children with learning disabilities should be changed in the sende that teachers attach more importance to understanding and problem solving than on mere executing.

Keywords: math word problems, verbal problems, problem solving, selection of relevant information

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aktualisiert am 06.11.2006