Heilpädagogische Forschung
 
Lesepartner: Evaluierung eines 1:1 Tutoring Systems zur Verbesserung der Leseleistungen
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 2006
von Karin Landerl und Ewald Moser

Im Rahmen eines dreimonatigen Pilotprojektes lasen 38 leseschwache Schülerinnen und Schüler der 2. bis 8. Schulstufe an jedem Schultag für 15 min gemeinsam mit einer/m ehrenamtlich tätigen lesebegeisterten Erwachsenen in einem selbst gewählten Buch. Diese unspezifische Maß nahme zur allgemeinen Leseanregung führte zu signifikanten Verbesserungen der basalen Lesekompetenzen der automatischen, direkten Worterkennung und des lautierenden, indirekten Lesens. Nahezu die Hälfte (45%) der anfangs leseschwachen Kinder zeigten nach dem Training altersgemäße Leistungen bei einem standardisierten Lesetest. Umgekehrt muss aber konstatiert werden, dass 55 % der geförderten Stichprobe keine ausreichenden Fördereffekte zeigten. Phonologische Bewusstheit, visuelle Benennungsgeschwindigkeit, verbales Kurzzeitgedächtnis und nonverbale kognitive Fähigkeiten zeigten keine signifikanten Zusammenh ä nge mit der Größe des Fördereffekts, sodass vor der Durchführung des Trainings keine Vorhersage möglich ist, welche Kinder von einem derartigen Training profitieren. Das Programm „Lesepartner“ ist also zur allgemeinen Leseanregung gut geeignet, ersetzt aber keinesfalls eine spezifische LRS-Förderung.

Schlüsselwörter: Leseflüssigkeit, Leseförderung, Leseschwäche

Reading Partners: Evaluation of a 1:1 Tutoring System to Improve Reading Skills.

For a three-month period, 38 poor readers (grades 2 to 8) participated in a 1:1 tutoring program on reading practice. Tutors were adults from the school community. On each school day, tutors and children carried out 15 min of paired book-reading. This unspecific reading practice led to significant improvements in word recognition and phonological decoding. After the training, almost half (45 %) of the participants showed age-adequate performance on a standardized test of reading fluency. However, the other 55 % of the participants did not show a sufficient improvement of reading skills. Phonological awareness, visual naming speed, verbal short-term memory and nonverbal cognitive skills were not significantly related to the improvements in reading skills so that prediction of the training success was impossible. In summary, this unspecific training was efficient in getting poor readers to read more, but it cannot replace specific dyslexia remediation.

Keywords: reading fluency, reading remediation, reading disability

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aktualisiert am 22.03.2006