Heilpädagogische Forschung
 
Leistung und Selbstkonzept bei lernbehinderten Schülern
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2002
von Jens Möller, Lilian Streblow und Britta Pohlmann

Das I/E-Modell ("Internal/External Frame of Reference Model") von Marsh (1986) postuliert, dass Schülerinnen und Schüler neben sozialen Vergleichen ihrer Leistungen mit den Leistungen von Mitschülern dimensionale Vergleiche der eigenen Leistungen in einem Fach mit den Leistungen in einem anderen Fach anstellen. Diese Vergleiche führen dazu, dass z.B. Schüler mit sehr guten Leistungen in Mathematik ihre verbalen Fähigkeiten unterschätzen. Gegenstand dieser Untersuchung mit N=270 Schülerinnen und Schülern ist die Frage, ob das I/E-Modell auch für lernbehinderte Schüler gilt. Die Ergebnisse der Analysen unterstützen die Annahme der Übertragbarkeit des Modells: Es zeigten sich positive Zusammenhänge zwischen den Leistungen in Deutsch und Mathematik. Dagegen waren das verbale und das mathematische Selbstkonzept nahezu unkorreliert. Pfadanalysen ergaben darüber hinaus positive Effekte der Leistungen auf die korrespondierenden fachbezogenen Selbstkonzepte und negative Effekte der Fachleistungen in einem Fach auf die akademischen Selbstkonzepte im anderen Fach. Aus diesem Ergebnismuster wird die Generalisierbarkeit der Annahmen des I/E-Modells für lernbehinderte Schüler abgeleitet.

Schlüsselwörter: Selbstkonzept, Vergleichsprozesse, I/E-Modell, Lernbehinderte

Achievement and self-concept of students with learning disabilities

The internal/external frame of reference (I/E) model by Marsh (1986) beside social comparisons with class mates assumes intraindividual dimensional comparisons in which students compare their own achievements in one subject with their achievements in other subjects. These comparison processes should lead to negative paths from achievement in one subject (e.g. math) on self-concept in another subject (e.g., verbal domains). Within this study with N=270 students, we investigated the generalizability of the I/E_model to students with learning disabilities. Analyses showed positive correlations between math and German achievements and positive effects of both achievements on the corresponding domain-specific self-concepts. Verbal and math self-concepts were almost uncorrelated. More important, there were negative effects from achievement in one domain on self_concept in the other domain. Therefore, the I/E model is generalizable to students with learning disabilities.

Keywords: comparison processes, self-concept, I/E model, students with learning disabilities

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aktualisiert am 30.01.2003