Heilpädagogische Forschung
 
Lehrereinschätzungen von adaptiven Kompetenzen bei Grundschulkindern mit und ohne aggressive Verhaltenstendenzen.
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 3 2001
von Michael Fingerle

Trotz des wachsenden Interesses der Sonderpädagogik an den Kompetenzen und Ressourcen von Kindern mit Problemverhalten fehlen bislang empirische Studien, aus denen sich generalisierbare Aussagen zur gemeinsamen Verteilung von Verhaltensproblemen und Kompetenzen ableiten lassen. In einer Sekundäranalyse von Lehrereinschätzungen verschiedener adaptiver Kompetenzen bei Grundschülern (i.e.: Problembewältigung, Emotionsregulation, kognitive Fähigkeiten, Lernverhalten, Flexibilität und Selbstvertrauen) konnte dieser Frage systematisch nachgegangen werden. Die Daten stammen aus Grundschulen Sachsen_Anhalts und beziehen sich auf eine Grundgesamtheit von 470 Schülerinnen und Schülern (49,8 % Mädchen, 50,2 % Jungen, Altersrange 6 - 12 Jahre, AM: 8,76). Anhand eines Items zu beobachteten Aggressionen ließ sich die Stichprobe in eine aggressive und eine nicht_aggressive Teilgruppe splitten. Die Analysen zeigten, dass 6% bis 11% der Schülerinnen und Schüler sowohl als aggressiv eingeschätzt wurden, als auch in ihren Kompetenzscores über dem Median der Gesamtverteilung lagen. Bei einer strengeren Form des Aggressivitätskriteriums fanden sich immerhin noch 1,3% bis 2%, für die diese Aussage zutraf.

Schlüsselwörter: adaptive Kompetenzen, Prävalenz, Resilienz.

Teacher assessments of adaptive abilities of students with and without aggressive tendencies.

Despite a growing interest in the skills and abilities of students with behavior problems, there are still no empirical studies which address the distribution of certain adaptive competencies and behavior problems. However, a re-analysis of data from a random sample of 470 German school children (49.8 % girls, 50.2 % boys, age range 6 to 12 years, AM: 8.76) affords a means of investigating this question. The data consisted of teacher ratings of students' coping behavior, regulation of emotions, cognitive abilities, learning behavior, flexibility, and self confidence. On the basis of a single_item measurement of aggression, the sample was split into an aggressive and a non-aggressive subgroup, and the relative frequencies of adaptive abilities in these subgroups were compared. Analysis indicated that 6% to 11% of the students were rated both as aggressive and as having competence scores in the upper 50 % of the total sample. Using a somewhat more stringent criterion for aggression, 1.3 % - 2 % of the students fell into this category.

Keywords: adaptive abilities, prevalence, resiliency

zur Übersicht des Jahrgangs 2001
pic/blindgelb.gif (103 Byte)
zurück zum Kopf der Seite
aktualisiert am 30.01.2003