Heilpädagogische Forschung
 
Der Zusammenhang zwischen Schulleistungen, dem sozialen Status in der Klasse und dem Sozialverhalten
aus: Heilpädagogische Forschung Nr. 1 2001
von Barbara Gasteiger Klicpera und Christian Klicpera

Im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung in insgesamt 74 Klassen der 4., 6. und 8. Schulstufe mit 1674 Schülern wurde der Zusammenhang zwischen der sozialen Stellung der Schüler in der Klasse und den schulischen Leistungen sowie dem Sozialverhalten untersucht. Sowohl die Schüler als auch die Lehrer und die Eltern wurden um ihre Einschätzungen gebeten. Es zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen den schulischen Leistungen und dem sozialen Status, dessen Enge mit der Schulstufe abnahm. Schüler mit schwachen Leistungen unterschieden sich von besseren Schülern nicht nur in der Wertschätzung schulischer Leistungen, sondern vor allem in der Häufigkeit gemeinsamen Lernens mit ihren Mitschülern. Sie wiesen auch eine geringere Motivation auf, etwas für die Klasse zu tun und zeigten weniger pro-soziales Verhalten. Nach den Angaben der Mitschüler und Lehrer, nicht aber nach ihren eigenen Angaben, waren schwache Schüler häufiger in aggressive Auseinandersetzungen verwickelt, wobei dies sowohl für die Rolle des Täters als auch für jene des Opfers galt. Nicht nur die soziometrischen Maße zeigten eine schlechtere Integration in die Klassengemeinschaft, auch die Selbsteinschätzung weist darauf hin, dass sie weniger integriert und infolgedessen auch einsamer sind. Seitens der Lehrer und Eltern werden sie öfter als aufmerksamkeitsgestört, aber auch als weniger folgsam bezeichnet. Zudem berichteten sowohl die Eltern und Lehrer als auch die schwachen Schüler selbst von emotionalen Belastungen und häufigen depressiven Verstimmungen. Es wird dafür plädiert, den Beziehungsschwierigkeiten und der mangelnden sozialen Integration schwächerer Schüler mehr Aufmerksamkeit zu schenken und ihre Integration aktiv zu fördern.

Schlüsselwörter: Verhaltensstörungen, sozialer Status, Schulleistungen, Einsamkeit, Depression, soziale Motivation.

The interrelatedness of school achievement, social status and social behavior in the classroom.

In a large survey of 74 classes at the 4th, 6th and 8th grade level with 1674 students the interdependence of social status and academic achievement level as well as differences in the social behavior were studied. Students, teachers and parents were asked for their judgements. A considerable correspondence between the academic achievement and the social status could be observed, the strength of this association declined with increasing grades. Students with poor achievement differed not only in the appreciation of academic achievements, but also in the frequency of shared learning experiences with peers. They also had less motivation to engage in activities for their class and showed less prosocial behavior. According to their peers and teachers, but not to their own judgement poor achievers were more involved in aggressive interactions as victims as well as aggressors.

Not only the sociometric measures showed a poorer integration in the class, but also according to their own opinion they were less integrated and felt lonelier. Teachers and parents rated them often as attention disordered, and as less obedient. Parents and teachers as well as poor achievers themself indicated more emotional burden and especially depressed mood. It is argued that the relationship difficulties and the deficient social integration of students with poor achievement need more attention and a greater effort should be made to increase their social integration.

Keywords: Behavior disorders, social status, school achievement, loneliness, depression, social motivation.

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aktualisiert am 30.01.2003